Recipes

Ein mathematisches Problem hat Internetnutzer verblüfft.

Mathematische Rätsel haben eine besondere Eigenschaft: Sie sehen oft so einfach aus, dass man sofort glaubt, die Lösung müsse in wenigen Sekunden gefunden sein.

Dann schaut man ein zweites Mal hin.

Und plötzlich beginnt man zu zweifeln.

Genau das passiert bei einem kleinen Zahlenrätsel, das online für jede Menge Diskussionen sorgt. Die Aufgabe besteht nur aus wenigen Zeilen, doch hinter den scheinbar simplen Gleichungen können sich unterschiedliche Regeln verbergen.

Die Herausforderung lautet:

1 + 4 = 5

2 + 5 = 12

3 + 6 = 21

5 + 8 = ?

Auf den ersten Blick sieht alles nach gewöhnlicher Addition aus.

Doch schon die zweite Zeile zeigt, dass hier offenbar etwas anderes passiert.

Denn 2 + 5 ergibt normalerweise 7 – nicht 12.

Also muss hinter den Zahlen eine zusätzliche Regel stecken.

Und genau hier beginnt das eigentliche Rätsel.


Warum ist die Aufgabe schwieriger, als sie aussieht?

Unser Gehirn sucht automatisch nach einem bekannten Muster.

Wenn wir eine Zahlenreihe sehen, versuchen wir normalerweise herauszufinden, welche Rechenoperation verwendet wird.

Ist es Addition?

Multiplikation?

Eine Kombination aus mehreren Rechenarten?

Oder verändert sich die Regel von Zeile zu Zeile?

Bei diesem Rätsel ist die erste Zeile besonders interessant:

1 + 4 = 5

Das funktioniert bei einer normalen Addition.

Doch dann kommt:

2 + 5 = 12

Hier funktioniert einfache Addition nicht mehr.

Und spätestens bei:

3 + 6 = 21

wird deutlich, dass die Aufgabe eine zusätzliche Struktur besitzen muss.


Eine mögliche Regel

Eine naheliegende Regel lautet:

a + b wird zu a × (a + b).

Schauen wir uns das Schritt für Schritt an.

Bei der ersten Zeile:

1 + 4 = 1 × (1 + 4)

Das ergibt:

1 × 5 = 5

Die erste Zeile stimmt also.

Nun testen wir die zweite:

2 + 5 = 2 × (2 + 5)

Zuerst rechnen wir die Klammer:

2 + 5 = 7

Anschließend:

2 × 7 = 14

Das ergibt allerdings 14 und nicht 12.

Damit sehen wir bereits ein wichtiges Problem:

Diese Regel passt nicht zu allen angegebenen Zeilen.

Und genau deshalb sollte man bei solchen Internet-Rätseln nicht vorschnell eine Regel auswählen, nur weil sie eine oder zwei Zeilen erklärt.


Eine andere Möglichkeit

Eine häufig diskutierte Interpretation verwendet die vorherige Gleichung als Teil der nächsten.

Man könnte beispielsweise denken:

1 + 4 = 5

Dann:

2 + 5 + 5 = 12

Die 5 aus der vorherigen Zeile wird also zusätzlich verwendet.

Danach:

3 + 6 + 12 = 21

Auch diese Zeile funktioniert.

Wenn man dasselbe Muster fortsetzt, würde man bei der letzten Zeile die vorherige Lösung berücksichtigen:

5 + 8 + 21 = 34

Unter dieser Interpretation wäre die Antwort also:

34

Das ist eine interessante Lösung, weil sie alle drei vorherigen Gleichungen miteinander verbindet.


Aber ist 34 wirklich die einzig richtige Antwort?

Nicht unbedingt.

Und genau das macht solche Rätsel so interessant.

Bei einer mathematischen Aufgabe mit mehreren vorgegebenen Beispielen kann man manchmal verschiedene Regeln konstruieren, die sämtliche bekannten Zeilen erklären, aber bei der letzten Zeile unterschiedliche Ergebnisse liefern.

Das bedeutet:

Die Zahlen allein legen nicht immer eindeutig fest, welche Regel gemeint ist.

Wenn keine zusätzliche Anweisung gegeben wird, beispielsweise „Finde das ursprüngliche Muster“ oder „Verwende die vorherige Zeile“, können mehrere Interpretationen mathematisch möglich sein.


Warum Menschen bei solchen Rätseln unterschiedlicher Meinung sind

Das Internet liebt Zahlenrätsel gerade deshalb, weil jeder glaubt, die Lösung sofort zu erkennen.

Eine Person sieht eine versteckte Addition.

Eine andere erkennt eine Multiplikation.

Jemand anderes verwendet die vorherige Zeile.

Und eine weitere Person sucht nach einer völlig anderen Zahlenfolge.

Alle können ihre Argumentation überzeugend darstellen.

Das führt schnell zu Kommentaren wie:

„Die Antwort ist offensichtlich!“

Oder:

„Nein, du hast die Regel falsch verstanden.“

Dabei kann das eigentliche Problem nicht einmal das Rechnen sein.

Es kann schlicht darin bestehen, dass die Aufgabenstellung nicht genügend Informationen enthält, um eine einzige Regel eindeutig festzulegen.


Der wichtigste Punkt bei solchen Zahlenrätseln

Mathematik besteht nicht nur darin, Zahlen richtig miteinander zu verrechnen.

Mindestens genauso wichtig ist es, zu wissen, welche Regel angewendet werden soll.

Bei einer normalen Aufgabe wie

5 + 8 = ?

ist die Regel klar.

Wir verwenden die gewöhnliche Addition und erhalten:

13

Bei unserem Rätsel ist die Schreibweise jedoch irreführend.

Die Zeichen „+“ müssen nicht unbedingt die normale Addition bedeuten.

Vielleicht stehen sie lediglich für eine bestimmte Rechenregel, die aus den Beispielen erschlossen werden soll.


Was passiert bei gewöhnlicher Addition?

Wenn wir die letzte Zeile einfach so behandeln, wie sie geschrieben wurde:

5 + 8

erhalten wir:

13

Das ist die mathematisch normale Antwort.

Aber sie erklärt nicht, warum die vorherigen Zeilen

2 + 5 = 12

und

3 + 6 = 21

lauten.

Deshalb wäre 13 zwar das Ergebnis der gewöhnlichen Addition, aber vermutlich nicht die beabsichtigte Rätsellösung.


Die elegante Lösung mit der vorherigen Zeile

Wenn man das Muster der vorherigen Ergebnisse übernimmt, entsteht eine besonders einfache Folge:

1 + 4 = 5

Dann wird die vorherige Lösung zur zusätzlichen Zahl:

2 + 5 + 5 = 12

Danach:

3 + 6 + 12 = 21

Für die letzte Zeile:

5 + 8 + 21 = 34

Damit erhält man:

5 + 8 = 34

wenn die Aufgabe so interpretiert wird, dass jeweils das Ergebnis der vorherigen Zeile zusätzlich verwendet wird.


Warum die Schreibweise allerdings problematisch ist

Streng genommen ist die Darstellung etwas unvollständig.

Wenn tatsächlich die vorherige Lösung verwendet werden soll, müsste die Aufgabe das deutlich machen.

Zum Beispiel könnte man schreiben:

1 + 4 = 5

2 + 5 + 5 = 12

3 + 6 + 12 = 21

5 + 8 + 21 = ?

Dann wäre das Muster wesentlich eindeutiger.

Bei der ursprünglichen Schreibweise muss der Leser die zusätzliche Regel selbst erraten.


Ein wichtiges mathematisches Prinzip: Eindeutigkeit

Dieses Rätsel ist ein gutes Beispiel dafür, warum mathematische Aufgaben möglichst eindeutig formuliert werden sollten.

Wenn mehrere Regeln mit den vorhandenen Informationen vereinbar sind, kann es mehrere mögliche Antworten geben.

Das bedeutet nicht, dass Mathematik „falsch“ ist.

Es bedeutet, dass die Aufgabenstellung zusätzliche Informationen benötigt.

Ein mathematisches Rätsel kann also durchaus eine beabsichtigte Lösung besitzen, obwohl eine andere Lösung ebenfalls logisch begründbar ist.


Warum solche Rätsel trotzdem Spaß machen

Der Reiz liegt gerade darin, dass man nicht nur rechnen muss.

Man muss beobachten.

Man muss vergleichen.

Man muss verschiedene Möglichkeiten ausprobieren.

Und manchmal muss man erkennen, dass die scheinbar offensichtliche Lösung gar nicht die interessanteste ist.

Das macht Zahlenrätsel zu kleinen Denkaufgaben.

Sie testen weniger das reine Rechnen als vielmehr unsere Fähigkeit, Muster zu erkennen.


Probieren Sie es selbst

Bevor Sie die Kommentare lesen oder nach einer Lösung suchen, schauen Sie sich die vier Zeilen noch einmal an:

1 + 4 = 5

2 + 5 = 12

3 + 6 = 21

5 + 8 = ?

Fragen Sie sich:

Welche Beziehung besteht zwischen den beiden Zahlen jeder Zeile?

Verwendet eine Zeile möglicherweise das Ergebnis der vorherigen?

Gibt es eine wiederkehrende Rechenoperation?

Oder könnte eine andere Regel sämtliche Beispiele erklären?


Die wahrscheinlich beabsichtigte Antwort

Wenn das Rätsel nach dem häufig verwendeten Muster aufgebaut ist, bei dem das Ergebnis jeder Zeile in die nächste Rechnung einfließt, ergibt sich:

1 + 4 = 5

2 + 5 + 5 = 12

3 + 6 + 12 = 21

und schließlich:

5 + 8 + 21 = 34

Damit lautet die entsprechende Rätsellösung:

34

Aber es ist wichtig, zwischen einer beabsichtigten Rätsellösung und einer eindeutig mathematisch erzwungenen Lösung zu unterscheiden.

Ohne zusätzliche Regel ist das Rätsel nicht vollständig eindeutig.