Wenn im Frühjahr oder Sommer plötzlich eine kleine, kriechende Pflanze mit saftig grünen Blättern zwischen Ihren Blumen, im Gemüsebeet oder sogar in den Fugen der Terrasse erscheint, ist der erste Gedanke vieler Gartenbesitzer oft derselbe: “Schon wieder Unkraut!” Ohne lange nachzudenken wird die Pflanze herausgezogen und entsorgt. Doch was auf den ersten Blick wie ein gewöhnliches Wildkraut aussieht, kann sich bei näherem Hinsehen als eine erstaunlich wertvolle Pflanze entpuppen.
Eine dieser oft übersehenen Pflanzen ist Portulak (Portulaca oleracea), der regional auch unter den Namen Katzenzunge, Gemüse-Portulak, Burzelkraut oder in älteren Quellen Ephemera bekannt ist. Seit Jahrhunderten wird Portulak in vielen Teilen Europas, Asiens, Afrikas und des Mittelmeerraums sowohl als Lebensmittel als auch in der traditionellen Pflanzenheilkunde geschätzt. Während manche ihn heute noch immer als lästiges Unkraut betrachten, gilt er in anderen Ländern als Delikatesse und wird sogar gezielt angebaut.
Mit seinen fleischigen Blättern, den rötlichen Stängeln und den kleinen gelben Blüten ist Portulak nicht nur robust und pflegeleicht, sondern auch reich an wichtigen Nährstoffen. Seine frischen Blätter verleihen Salaten eine angenehm leicht säuerliche Note, während sie in Suppen, Eintöpfen oder Gemüsepfannen für zusätzliche Frische sorgen.
Bevor Sie also das nächste Mal eine unbekannte Pflanze aus Ihrem Garten entfernen, lohnt es sich, genauer hinzusehen. Portulak könnte sich als eine der nützlichsten Pflanzen entpuppen, die ganz ohne Ihr Zutun in Ihrem Garten wächst.
Was ist Portulak?
Portulak ist eine einjährige, niedrig wachsende Sukkulentenpflanze, die zur Familie der Portulakgewächse gehört. Dank ihrer fleischigen Blätter kann sie Wasser speichern und übersteht daher auch längere Trockenperioden erstaunlich gut.
Die Pflanze wächst bevorzugt an:
- sonnigen Gartenbeeten
- Wegrändern
- Pflasterfugen
- Kiesflächen
- Äckern
- Gemüsegärten
- lockeren, sandigen Böden
Da sie sich leicht selbst aussät, erscheint sie oft Jahr für Jahr erneut.
So erkennen Sie Portulak
Typische Merkmale sind:
- kleine, glatte und fleischige Blätter
- rundliche bis leicht ovale Blattform
- rötliche oder rosafarbene Stängel
- kriechender, bodennaher Wuchs
- kleine gelbe Blüten mit fünf Blütenblättern
- feine schwarze Samen in kleinen Samenkapseln
Die Blätter fühlen sich leicht saftig an und brechen beim Knicken nicht trocken wie gewöhnliche Blätter.
Wichtig: Portulak sollte nur gesammelt werden, wenn die Pflanze eindeutig bestimmt wurde. Es gibt ähnliche Arten, die nicht essbar sind.
Eine jahrtausendealte Kulturpflanze
Portulak gehört zu den ältesten bekannten Gemüsepflanzen der Menschheit. Schon die alten Ägypter, Griechen und Römer nutzten ihn als Nahrungsmittel. Auch in der traditionellen chinesischen Medizin und in verschiedenen orientalischen Küchen spielt die Pflanze seit Jahrhunderten eine wichtige Rolle.
Früher war Portulak in vielen europäischen Bauerngärten selbstverständlich. Mit der Zeit geriet er jedoch in Vergessenheit und wurde vielerorts fälschlicherweise nur noch als Unkraut angesehen.
Heute erlebt Portulak eine kleine Renaissance, denn immer mehr Menschen entdecken seine kulinarischen und ernährungsphysiologischen Eigenschaften neu.
Welche Nährstoffe enthält Portulak?
Portulak zeichnet sich durch eine beeindruckende Zusammensetzung aus. Er enthält unter anderem:
- Vitamin A
- Vitamin C
- Vitamin E
- mehrere B-Vitamine
- Kalium
- Magnesium
- Calcium
- Eisen
- Phosphor
Außerdem liefert er:
- Ballaststoffe
- sekundäre Pflanzenstoffe
- Antioxidantien
- pflanzliche Omega-3-Fettsäuren (vor allem Alpha-Linolensäure)
Unter den Blattgemüsen gehört Portulak zu den Pflanzen mit einem vergleichsweise hohen Gehalt an pflanzlichen Omega-3-Fettsäuren.
Mögliche gesundheitliche Vorteile
Die folgenden Vorteile beziehen sich vor allem auf den Nährstoffgehalt von Portulak. Traditionelle Anwendungen sind nicht automatisch wissenschaftlich bestätigt.
1. Reich an Antioxidantien
Portulak enthält verschiedene antioxidative Pflanzenstoffe, die dazu beitragen können, die Körperzellen vor oxidativem Stress zu schützen.
2. Unterstützung des Immunsystems
Durch seinen Gehalt an Vitamin C trägt Portulak zu einer normalen Funktion des Immunsystems bei.
Vitamin C unterstützt außerdem:
- die Kollagenbildung
- die Wundheilung
- die Aufnahme von Eisen aus pflanzlichen Lebensmitteln
3. Pflanzliche Omega-3-Fettsäuren
Die enthaltene Alpha-Linolensäure gehört zu den essenziellen Omega-3-Fettsäuren und ist Bestandteil einer ausgewogenen Ernährung.
4. Ballaststoffquelle
Ballaststoffe unterstützen eine normale Verdauung und können länger sättigen.
5. Mineralstoffe für den Körper
Kalium trägt unter anderem zu einer normalen Muskelfunktion und zur Aufrechterhaltung eines normalen Blutdrucks bei. Magnesium unterstützt die normale Funktion von Muskeln und Nerven sowie zahlreiche Stoffwechselprozesse.
Wie schmeckt Portulak?
Portulak besitzt einen angenehmen Geschmack, der oft beschrieben wird als:
- frisch
- leicht säuerlich
- mild salzig
- leicht zitronig
- knackig
Gerade junge Blätter sind besonders zart und aromatisch.
Verwendung in der Küche
Portulak lässt sich vielseitig verwenden und passt hervorragend zu vielen Gerichten.
Zum Beispiel in:
- frischen Salaten
- Kartoffelsalat
- Nudelsalat
- Kräuterquark
- Sandwiches
- Wraps
- Smoothies
- Suppen
- Eintöpfen
- Gemüsepfannen
- Omeletts
- Pasta-Gerichten
- Reisgerichten
- als Beilage zu Fisch oder Geflügel
Er kann roh gegessen oder kurz gedünstet werden.
Einfaches Rezept: Frischer Portulak-Salat
Zutaten
- 2 Handvoll frischer Portulak
- 1 Gurke
- 2 Tomaten
- ½ rote Zwiebel
- 2 Esslöffel Olivenöl
- Saft einer halben Zitrone
- Salz
- frisch gemahlener Pfeffer
Zubereitung
Den Portulak gründlich unter fließendem Wasser waschen und gut abtropfen lassen. Gurke, Tomaten und Zwiebel in kleine Stücke schneiden und mit dem Portulak vermengen. Aus Olivenöl, Zitronensaft, Salz und Pfeffer ein einfaches Dressing zubereiten und über den Salat geben. Alles vorsichtig mischen und sofort servieren.
Portulak im eigenen Garten anbauen
Wer Portulak gezielt kultivieren möchte, wird feststellen, dass die Pflanze sehr unkompliziert ist.
Sie bevorzugt:
- sonnige Standorte
- lockere, gut durchlässige Böden
- warme Temperaturen
- mäßige Bewässerung
Nach wenigen Wochen können bereits die ersten jungen Triebe geerntet werden.
Tipps zum Sammeln
Wenn Sie wilden Portulak sammeln möchten:
- nur sicher bestimmte Pflanzen verwenden
- nicht an stark befahrenen Straßen sammeln
- belastete oder gespritzte Flächen meiden
- die Pflanze gründlich waschen
- bevorzugt junge Triebe ernten
Vorsicht beim Verzehr
Portulak enthält – ähnlich wie Spinat oder Mangold – Oxalsäure. Menschen mit bestimmten Nierenerkrankungen oder einer Neigung zu Calciumoxalat-Nierensteinen sollten größere Mengen nur nach Rücksprache mit einer Ärztin oder einem Arzt verzehren.
Außerdem gilt: Verzehren Sie niemals Wildpflanzen, wenn Sie sich bei der Bestimmung nicht vollkommen sicher sind.
Häufig gestellte Fragen
Ist Portulak wirklich ein Unkraut?
Aus Sicht vieler Gärtner wird Portulak als Unkraut bezeichnet, weil er sich schnell ausbreitet. Botanisch handelt es sich jedoch um eine anerkannte Nutz- und Gemüsepflanze.
Kann man Portulak täglich essen?
Portulak kann im Rahmen einer abwechslungsreichen und ausgewogenen Ernährung regelmäßig verzehrt werden. Wie bei allen Lebensmitteln ist Vielfalt jedoch empfehlenswert.
Wann kann Portulak geerntet werden?
Die jungen Blätter und Triebe werden meist vom späten Frühjahr bis in den Herbst geerntet. Junge Pflanzen sind besonders zart und aromatisch.
Kann man Portulak einfrieren?
Ja. Nach kurzem Blanchieren kann Portulak eingefroren werden. Nach dem Auftauen eignet er sich besonders gut für Suppen, Eintöpfe und gekochte Gerichte, da seine Konsistenz weicher wird.
Ist Portulak auch für Haustiere geeignet?
Nicht jedes Haustier verträgt dieselben Pflanzen. Wenn Sie Portulak an Hunde, Katzen oder andere Tiere verfüttern möchten, sollten Sie sich vorher tierärztlich beraten lassen.
Interessante Fakten über Portulak
- Portulak wächst selbst unter trockenen Bedingungen erstaunlich gut.
- Seine fleischigen Blätter speichern Wasser ähnlich wie Sukkulenten.
- In vielen Mittelmeerländern wird er regelmäßig auf Wochenmärkten verkauft.
- Er zählt zu den ältesten bekannten Kulturpflanzen der Welt.
- In einigen Regionen wird Portulak gezielt als Blattgemüse angebaut und geerntet.
- Seine kleinen gelben Blüten öffnen sich meist nur bei sonnigem Wetter.



